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OTTER-ZENTRUM

Lebensraum Moor: Wie wir diese wertvollen Ökosysteme schützen können

 

Wer an Moore denkt, hat oft eine wilde, vor Leben pulsierende Landschaften vor Augen: Wasserlachen, üppiges Grün, Libellen, die durch die Luft schwirren, und das geheimnisvolle Plätschern unter der dichten Vegetation. Ob beim Ausflug mit Kindern, bei einem Projekttag mit Schülern oder beim Einsatz für den Artenschutz – überall zeigt sich, wie sehr Moore alle Sinne ansprechen und Natur auf faszinierende Weise erlebbar machen.

Doch diese magischen Orte stehen immer häufiger im Spannungsfeld zwischen Nutzung und Erhalt. Weil Städte, intensive Landwirtschaft oder Freizeitanlagen auf trockene Flächen drängen, geraten Moore und Sumpfgebiete zunehmend in Gefahr. Dabei sind sie für Mensch und Umwelt von unschätzbarem Wert. Ein Besuch im Tierpark Niedersachsen zeigt eindrucksvoll, wie anschaulich und lebendig Umweltbildung im Moor sein kann und wie wichtig es ist, diese Lebensräume für kommende Generationen zu bewahren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Moore und Sumpfgebiete regulieren Wasserhaushalt und Klima, filtern Schadstoffe und speichern CO₂ – elementar für Mensch, Natur und Tiere.
  • Sie bieten gefährdeten Tier- und Pflanzenarten wertvolle Rückzugsräume.
  • Trockenlegung, Verschmutzung und Übernutzung sind die größten Gefahren für diese Ökosysteme.
  • Renaturierung und nachhaltige Nutzung sind zentrale Hebel zum Schutz des Lebensraums MoorSumpfgebiet. Das Engagement von uns allen zählt.

Warum Moore so wichtig sind

Moore – auch Feuchtgebiete oder Sumpfgebiete genannt – übernehmen gleich mehrere Aufgaben für das ökologische Gleichgewicht. Einerseits fungieren sie als riesige natürliche Wasserspeicher: Nach Regenfällen saugen sie das Wasser auf, verzögern den Abfluss und verhindern dadurch Flutkatastrophen, die besonders im Frühjahr große Landstriche bedrohen. Andererseits geben sie in trockenen Sommern Feuchtigkeit an die Umgebung ab. Dadurch helfen sie, Grundwasserreserven nachzufüllen und Trockenperioden abzumildern, was ein wichtiger Schutz vor den Folgen des Klimawandels ist.

Auch als Klimaregulator spielen Moorlandschaften eine entscheidende Rolle: Sie können große Mengen Kohlenstoff in Form von abgestorbenen Pflanzenteilen langfristig binden und verhindern so, dass Treibhausgase in die Atmosphäre geraten. Insbesondere Moore sind zentrale CO₂-Senker. Ihre Zerstörung würde den Klimawandel erheblich beschleunigen.

Doch nicht nur für das Klima sind Moore und Sumpfgebiete unverzichtbar: Die artenreichen Lebensräume bieten seltenen und spezialisierten Tieren und Pflanzen ein Zuhause. Typische Sumpfbewohner sind selten gewordene Amphibien wie der Moorfrosch, die Kreuzotter oder Libellenarten, die nirgends sonst vorkommen. Auch seltene Vögel – darunter Wachtelkönig, Kranich oder Bekassine – nutzen Moore als Brut- und Rastplätze. Für Insekten, Fledermäuse, Otter und viele weitere bedrohte Arten bieten sie Nahrung, Schutz und ein ruhiges Zuhause. Ohne intakte Sumpfgebiete droht das Verschwinden unzähliger „Hidden Champions“ unserer heimischen Artenvielfalt.

Die Bedrohungen der Moore

Moore verschwinden mit rasantem Tempo. Die Ursachen dafür sind vor allem die Trockenlegung und technische Entwässerung. Um landwirtschaftliche Flächen oder Bauland zu gewinnen, werden natürliche Wasserläufe begradigt, Sümpfe entwässert und das Gelände mit Drainagen durchzogen. Oft jahrzehntealte Landschaften werden in wenigen Monaten in monotone Felder oder Siedlungsflächen umgewandelt. Der Wasserhaushalt gerät dadurch aus dem Gleichgewicht: Feuchtigkeit verschwindet, wertvolle Böden trocknen aus und erodieren. Zusätzlich beschleunigt sich der Zerfall von Torf, wodurch Unmengen gespeicherter Treibhausgase freigesetzt werden.

Auch Verschmutzungen belasten die Moore massiv. Düngemittel und Pestizide aus der intensiven Landwirtschaft gelangen über das Grundwasser oder den Oberflächenabfluss in die Feuchtgebiete. Sie verursachen Wasserbelastungen, führen zum Algenwachstum, entziehen dem Gewässer Sauerstoff und stören den Nährstoffhaushalt. Das beeinträchtigt Fische, Amphibien, Insekten und seltener werdende Pflanzenarten. Ganze Nahrungsketten drohen zu kollabieren.

Hinzu kommt die Übernutzung: Der Torfabbau zerstört Moore auf Jahrzehnte, übermäßiger Freizeitbetrieb (z. B. mit Offroad-Fahrzeugen, Grillpartys oder Wildcampen) kann sensible Stellen beschädigen und den Lebensraum für seltene Arten einschränken. Die Folge: Weniger Artenvielfalt, verlorenes Klima-Potenzial, erhöhte Überschwemmungsgefahr und ein nachhaltiger Verlust der Erholungsqualität für uns alle.

Renaturierung: Moore wiederherstellen

Die Wiederherstellung von Sumpfgebieten beginnt häufig mit dem Schließen von Entwässerungsgräben oder dem Rückbau alter Kanäle, um das Wasser zurück in die Flächen zu bringen. Dafür benötigen Behörden, Naturschutzorganisationen und lokale Partner eine genaue Analyse des Wasserhaushalts sowie effektive ökologische Maßnahmen: Der Zulauf von sauberem Wasser wird gefördert, mineralisierte und stark belastete Bodenbereiche werden abgeflacht oder neu bepflanzt, damit heimische Pflanzen wie die Sumpfdotterblume oder Seggen wieder heimisch werden können. Kleine Staudämme regulieren das Wasser, um dauerhafte Feuchte zu ermöglichen. Dort, wo es der Natur wieder möglich ist, sich selbst zu entwickeln, kehren oft Vögel, Frösche, Libellen und Otter zurück.

Internationale Vorbilder zeigen, was möglich ist: In den Niederlanden werden weiträumige Polder gezielt vernässt und als Naturreservate ausgewiesen, die Schweiz revitalisiert Flussauen und in Deutschland wurden unter anderem im Nationalpark Unteres Odertal oder in Schleswig-Holstein Erfolge erzielt. Diese Projekte entstehen meist in Kooperation mit unterschiedlichsten Akteuren – Naturschützern, Landwirten, Behörden und Ehrenamtlichen. Sie belegen, dass kluges Handeln auf vielen Ebenen nötig ist, um Moorflächen zurückzugewinnen und dauerhaft naturnah zu erhalten.

Nachhaltige Nutzung der Moore

Moore können auch ohne Ausbeutung genutzt werden, wenn die Natur im Mittelpunkt steht. Extensiv wirtschaftende Landwirte setzen auf angepasste Wiesen- und Weidewirtschaft: Sie verzichten auf Dünger und Pestizide, lassen Flächen in wechselnden Abständen beweiden oder mähen und bieten so seltenen Brutvögeln, Insekten und Pflanzen einen Rückzugsort. Niederschlagsreiche Jahre werden genutzt, Überschwemmungen bewusst zugelassen und so das ökologische Gleichgewicht gestärkt. Produkte aus diesen Bereichen – etwa Fleisch von Weiderindern oder Honig aus Moorwiesen – sind häufig regional, hochwertig und nachhaltig produziert.

Tourismuskonzepte im Moorgebiet sollten auf geführte Wanderungen, Naturbeobachtung oder Lehrpfade setzen. Große Wegestrukturen, lauter Betrieb oder Partylärm stören dort nicht nur seltene Tiere, sie gefährden auch das Image des Naturtourismus. Stattdessen können Naturschutz- und Umweltbildungszentren – wie das OTTER-ZENTRUM – anschauliche Programme anbieten: Kinder und Erwachsene lernen hier spielerisch, wie verzahnt Wasserhaushalt, Tierwelt und das Handeln der Menschen sind. Eine weitere Möglichkeit sind Citizen-Science-Projekte, bei denen Besucher an der Erfassung von Arten, Wasserständen oder besonderen Funden beteiligt werden. So können alle zur Erforschung und Bewahrung beitragen.

Zusammenfassung und Fazit

Moore zählen zu den artenreichsten und gleichzeitig am meisten gefährdeten Lebensräumen. Sie sind wahre Multitalente: Sie schützen vor Hochwasser, sichern das Klima, filtern Wasser, bieten bedrohten Arten eine Heimat und schenken uns wunderschöne Naturerlebnisse. Ihr Schutz ist deshalb nicht nur Aufgabe für Naturschützer und Politik, sondern für alle – angefangen bei Schulklassen, Familien und Besuchern über Bauern hin zu Tourismusbetrieben.

Jede bewusste Entscheidung hilft, die Zukunft dieser faszinierenden Landschaften zu sichern – sei es durch naturverträgliche Landwirtschaft, Renaturierungsprojekte oder achtsame Freizeitgestaltung. Wer Moore und Sumpfgebiete schützt, handelt für den Arten- und Klimaschutz und sorgt dafür, dass auch kommende Generationen diese außergewöhnliche Schönheit erleben können.